Nachfolgeguide - Unternehmensnachfolge, Betriebsnachfolge, Firmennachfolge
Nachfolgeplanung

1. Was ist Wirtschaftsmediation?

Allgemeine Themeneinleitung

Mediation ist ein

  • außergerichtliches, alternatives Konfliktregelungsverfahren
  • in dem alle am Konflikt beteiligten Parteien
  • freiwillig mit Unterstützung eines
  • allparteilichen Dritten (MediatorIn)
  • eine Konfliktregelung erarbeiten, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht.

 

Das Herz der Mediation ist die aktive Förderung eines Konsenses der Konfliktstreitpartner. Um dies zu erreichen strukturiert und kontrolliert der Mediator den Mediationsprozess.

 

Der Kernpunkt dabei ist, dass die dritte, neutrale Person des Konfliktregelungsprozesses keine Entscheidungen trifft, sondern den Konfliktprozess nur systematisiert und moderiert. Die Aufgabe des Mediators ist somit, die Kommunikation und Kooperation der Konfliktparteien zu fördern, Alternativen zu gestalten und zu optimieren sowie die Konfliktpartner zu einer Einigung aus freiem Willen zu verhelfen, damit sich beide in einer „win-win-situation“ befinden.


Für die Mediation bei Betriebsübergaben ist ein Mediator mit einem wirtschafts- oder rechtsberatenden Beruf zu wählen. Da dieser zusätzlich zu den Mediationskenntnissen die notwendigen betriebswirtschaftlichen und juristischen Fachkompetenzen besitzt.

 

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Bedeutung der Wirtschaftsmediation

In österreichischen Klein- und Mittelunternehmen (KMU) sind Konflikte ein Tabuthema. Das Ergebnis einer repräsentativen Studie im deutschsprachigen Raum zum Thema „Konflikte“ zeigt ein erschreckendes Ergebnis. Es gibt in den KMU’s offenbar kein Konfliktkosten-Bewusstsein, denn statt aus Konflikten zu lernen, werden sie meist personalisiert und mit vorschnellen Maßnahmen (Entlassung) beseitigt. Jedoch könnte sich durch eine Konfliktbewältigung eine Chance für die Weiterentwicklung des Unternehmens  ergeben. In den seltensten Fällen wird das Problem beim Ausgangspunkt behandelt. Wirtschaftliche Folgekosten wie der Verlust bisheriger Kunden oder die Einarbeitung neuer Mitarbeiter werden von den KMU’s außer Acht gelassen. 

 

Das Ergebnis einer Studie zeigt, dass nur fünf Prozent der befragten 980 KMU, in Konfliktfällen einen Wirtschaftsmediator zu Rate ziehen. Eine Maßnahme, die in den USA schon längst gang und gäbe ist. Hingegen kommt in Österreich ein Drittel der befragten eine firmenexterne Konfliktberatung prinzipiell nicht in Frage. Für die österreichischen Betriebe gilt, dass interne Konflikte vom Management bereinigt werden müssen. Externe Unterstützung zu holen, wird als Scheitern der Management-Kompetenz gesehen.

 

 

Wirtschaftsmediation wird vor allem bei Konflikten in der Wirtschaft eingesetzt, z.B. bei

  • Konflikten innerhalb von Teams oder Abteilungen
  • Konflikten durch Umstrukturierungen,
  • Schaffung neuer Aufgabenfelder
  • Kompetenzstreitigkeiten
  • Kunden-Lieferanten-Beziehungen
  • arbeitsrechtlichen Konflikten
  • Konflikten zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft
  • Konflikten im Rahmen von Unternehmensnachfolge, Betriebsübergaben und Fusionen

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 Aufgaben des Mediators

 

Der Mediator ist ein allparteilich neutraler Dritter, der von den Konfliktparteien zur Durchführung der Mediation ausgewählt und beauftragt wird. Er führt die Konfliktparteien durch den Klärungsprozess und achtet darauf, dass die beeinträchtigte Gesprächsbereitschaft Schritt für Schritt zu einer konstruktiven Kommunikation und Kooperation zwischen den Klienten wächst.


Der Mediator begleitet die Konfliktparteien konstruktiv dabei, starre oder rein rechtliche Positionen zu verlassen und die eigentlichen Interessen, Ziele und Bedürfnisse herauszuarbeiten und zu formulieren bzw. in den Vordergrund zu stellen. Er motiviert die Konfliktparteien dahingehend, den Blick in die Zukunft zu richten und unterstützt beim gemeinsamen Erarbeiten von tragfähigen, bedarfsorientierten und fairen Lösungen.

 

Der Mediator führt keine Rechtsberatungen durch, er ist kein Richter, Rechtsanwalt oder Therapeut. Er ist ein Vermittler oder Verhandlungsbegleiter und schafft so den geeigneten Rahmen sowie die Struktur zum konstruktiven Ablauf der Mediation.

 

Im Bezug auf Mediation gibt es ein vielfältiges Angebot, daher ist die Auswahl einer passenden Mediationsausbildung nicht einfach. Seit dem Frühjahr 2003 gibt es das beschlossene Zivilrechts-Mediations-Gesetz. Dieses Gesetz sieht unter anderem die Möglichkeit einer Eintragung in die Mediatorenliste beim Bundesministerium für Justiz vor. Alle von uns Befragten Mediatoren waren in dieser Liste eingetragen.

 

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 Kennzeichen der Mediation  

 

Der Erfolg der Mediation ist gekennzeichnet durch:

  • der Freiwilligkeit und Vertraulichkeit nach außen
  • Offenheit nach innen
  • der Ausrichtung auf die Interessen und Bedürfnisse der Konfliktparteien
  • einer klaren Orientierung auf nachhaltige Lösungen
  • einer Konfliktregelung durch Konsens 
  • Verbindlichkeit der Vereinbarung

 

Wobei uns alle Gesprächspartner versicherten, dass vor allem die Freiwilligkeit der Konfliktpartner hervorzuheben ist und auch die Verschwiegenheit der Teilnehmer. Die Inhalte und Aussagen, die während einer Mediation besprochen werden, sind streng vertraulich und bleiben zwischen den Konfliktparteien und dem Mediator – oberstes Gebot!

 

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 Phasen der Mediation

 

Die Mediation ein flexibles Verfahren und nicht an einen starren Ablauf gebunden. Allerdings hat sich in der Praxis eine bestimmte Grundstruktur bewährt, die sich in  3 Phasen unterteilen:



Vorbereitung

- Erstkontakt und Verfahrensklärung

 

Hauptphase

- Erarbeitung der zu regelenden Themen

- Konkrete Konfliktbearbeitung

- Entwicklung und Verhandlung von Lösungsvarianten

- Vereinbarung 

 

Nachbearbeitung

(Umsetzung, ev. Nachverhandlung – ganz selten der Fall)

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 Kosten / Nutzen der Mediation

 

Alleine die Bewusstmachung der entstehenden Konsequenzen und Folgekosten von ungelösten Konflikten müsste viele Unternehmer zum Nachdenken anregen.  Gehemmte Arbeitsabläufe und gestörte Kommunikation zwischen Übergeber und Übernehmer wirken sich nicht nur schädlich auf das gesamte Arbeitsklima aus, sondern führen langfristig zu einem enormen Wettbewerbsnachteil.

 

Grundregeln:

  • Konflikte hemmen den Arbeitsablauf, führen zur Ineffizienz
  • Konflikte können über die Zeit sehr teuer werden
  • Interne Kommunikation ist durch Vorbehalte gestört
  • Verlust der sachlichen Ebene

 

 

Daher ist eine Konfliktbewältigung durch eine neutrale dritte Person ein wichtiges Instrument zur Problemlösung. Bei einem unkomplizierten 2er Konflikt, welcher einen Idealfall darstellt,  werden  ungefähr 5 – 10 Sitzungen eingeräumt. Die Sitzungen werden immer auf neutralem Boden abgehalten um Unparteilichkeit zu gewährleisten. Die Kosten für die Sitzungen bei der Mediation sind auch von Fall zu Fall verschieden und können somit zwischen 150 – 360 Euro variieren.

 

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