Nachfolgeguide - Unternehmensnachfolge, Betriebsnachfolge, Firmennachfolge
Persönliches

Persönliches

Unter der Rubrik "Persönliches" können Sie erste grundlegende Informationen über folgende Themenbereiche einholen.  

 

1.1 Qualifikationen

 

"Bin ich als Nachfolger auch wirklich geeignet?" fragen sich viele potentielle Übernehmer, die sich für die Übernahme eines Unternehmens entscheiden. Diese Gründungsform hat zwar viele Vorteile. "Doch passt das Unternehmen meiner Wahl auch zu mir? Und habe ich die notwendigen Qualifikationen, um den Betrieb erfolgreich weiter zu führen?"

Formulieren Sie am besten gemeinsam mit dem Übergeber die Anforderungen, die der Betrieb an einen Nachfolger stellt, und ordnen Sie sie nach folgenden Bereichen:

 

Fachliche Qualifikationen,

die für Ihren Betrieb notwendig sind, z.B.:

  • Branchenwissen
  • technisches Know-how
  • kaufmännische Kenntnisse
  • Vertriebserfahrung
  • Erfahrung in Personalführung
  • Grundkenntnisse in Steuerlehre

 

Persönliche Qualifikationen z.B.:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Verhandlungsgeschick / Taktik
  • Realitätsbewusstsein
  • Belastbarkeit
  • emotionale Intelligenz
  • Toleranz

 

Unternehmerische Qualifikationen z.B.:

  • zukunftorientiertes Denken
  • Verantwortungsbewusstsein
  • ziel- und planmäßiges Handeln
  • Fähigkeit zur unternehmerischen Vision
  • Führungsqualitäten
 

1.2 Vorteile einer Übernahme

 

Bereits vorhandene Strukturen können große Vorteile  mit sich bringen: Wer ein Unternehmen übernimmt, übernimmt ein bereits vorhandenes, in der Praxis bewährtes Unternehmenskonzept. Außerdem liegen Erfahrungswerte vor. Das Unternehmen hat bereits einen eingeführten, bekannten Namen und Standort, Produkte, die Absatzmärkte und einen Kundenstock. Somit ist so gut wie keine oder nur geringe Aufbauarbeit nötig.

 

Auch ein Team von erfahrenen, gut aufeinander eingespielten Mitarbeitern erleichtert den Einstieg als Unternehmer. Dasselbe gilt für bereits vorhandene Lieferantenbeziehungen und das Netz von Geschäftspartnern, mit denen das Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Außerdem gibt es konkrete Unternehmenszahlen: vorliegende Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen geben Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und sind zugleich die verlässliche Basis für die weitere Planung.

 

Ein laufender Betrieb bringt auch höhere Ertragsperspektiven mit sich als einer, der noch in den Kinderschuhen steckt. Die Ertragschancen sind in einem übernommenen Unternehmen höher als in einem neu gegründeten!

1.3 Aus- und Weiterbildung für Unternehmer

 

Aus- und Weiterbildung nicht nur Ihrer Mitarbeiter sondern auch Sie selbst betreffend, ist ein entscheidender Faktor um im Berufsleben konkurrenzfähig zu bleiben. In Österreich gibt es eine Vielzahl an Anlaufstellen und Institutionen, die Sie diesbezüglich gerne beraten und eine breite Angebotspalette bieten.

 

Hier finden Sie weiterführende Links zu den wichtigsten osterreichweiten Institutionen:

 

Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) http://www.wifi.at/

Berufsförderungsinstitut (bfi) http://www.bfi.or.at/

Wirtschaftskammer Österreichs http://www.berufsinfo.at/

Hernstein International Management Institute http://www.hernstein.at

Volkshochschulen Österreichs http://www.vhs.or.at

 

 

Links zu Aus- und Weiterbildung in den Bundesländern:

 

Bildungsinformation Burgenland http://www.bukeb.at/

Bildungsland Kärnten http://www.bildungsland.at/

Forum Erwachsenebildung Niederösterreich http://www.fen.at

Erwachsenenbildung Oberösterreich   http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xchg/SID-3DCFCFC3-99115296/ooe/hs.xsl/133_DEU_HTML.htm

Erwachsenenbildung Salzburg http://bildung.salzburg.at

Erwachsenenbildung Steiermark http://www.eb-stmk.at

Weiterbildung Tirol http://www.weiterbildung-tirol.at/

Weiterbildung in Vorarlberg http://www.pfiffikus.at

Bildungseinrichtungen Wien http://www.wien.gv.at/

 

Für viele Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen werden diverse Fördermöglichkeiten angeboten. Es ist dabei zu beachten, dass die Fördervoraussetzungen bundesweit unterschiedlich sind.

 

Arbeitsmarktservice Österreich http://www.ams.or.at/neu/2468.htm?parent=|2468

Österreichische Berufsinformation http://www.berufsinfo.at/BILDUNGSFOERDERUNG/default.htm

Bildungsförderung Oberösterreich http://www.ooe.wifi.at/detailbild.asp?newsID=3

Bildungsförderungen in Salzburg http://www.eb.salzburg.at/

Beratungs- und Weiterbildungsförderung Tirol http://www.tirol.gv.at/themen/wirtschaft-und-tourismus/wirtschaftsfoerderung/

 

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2.1 Ich als Übergeber 

Als Übergeber haben auch Sie, genauso wie der Übernehmer, einige wichtige Punkte zu beachten. Äußerst wichtig sind in diesem Zusammenhang die FRÜHE Suche nach einem geeigneten Nachfolger und der genaue, gut durchdachte und zeitlich geplante Nachfolgeprozess. 

 

Wenn in Ihrem Unternehmen über kurz oder lang eine Übergabe ansteht, sollten Sie sich mit folgenden Aspekten frühzeitig auseinandersetzen um den Nachfolgeprozess erfolgreich zu bewältigen:

  • Auch wenn es Ihnen vielleicht anfangs schwer fällt sich an den Gedanken des „Loslassens“ zu gewöhnen, sollten Sie die Phase nach der Übergabe als Beginn eines neuen Lebensabschnittes sehen. Entwickeln Sie die Fähigkeit, die Übergabe positiv zu sehen. Seien sie bereit, Führung und Verantwortung zu übertragen.
  • Setzen Sie sich bald mit den verschiedenen Nachfolgealternativen auseinander und entwickeln Sie gleichzeitig Entscheidungsfähigkeiten diese zu bewerten und auszuwählen. Entwickeln Sie Managementfähigkeiten zur Planung, Umsetzung und Kontrolle des Übergabeprozesses.
  • Zeigen Sie darüber hinaus Verantwortungsbewusstsein nicht nur gegenüber Ihrem Unternehmen, sondern auch Ihrer Familie, Ihren Mitarbeitern und dem Nachfolger gegenüber.Bei der Beurteilung und der Auswahl Ihres Nachfolgers sollten Sie analytisch und potentialorientiert vorgehen.
  • Um Konflikte und Missverständnisse aufgrund von Informations- und Kommunikationsdefiziten zu vermeiden, besprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern, Ihrer Familie und dem potentiellen Nachfolger alle geplanten Schritte.
 

2.2 Finanzielle Absicherung – Vorsorge

 

Kalkulieren Sie genau, wie hoch Ihre monatlichen Lebenskosten sind! Machen Sie sich darüber hinaus Gedanken, woher dieses Geld kommen wird, wenn Sie nicht in Ihrem Unternehmen tätig sind.

Vergessen Sie dabei nicht, dass viele Vorteile, die sie bisher als Eigentümer Ihres Unternehmens genossen haben (zB Firmenauto,…), nach dem Verlassen des Unternehmens Ihnen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Erstellen Sie hierzu eine konkrete Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, um einen klaren Überblick über Ihre zukünftige Finanzlage zu erhalten.

 

Denken Sie bei den Einnahmen vor allem an:

  • weitere Einkünfte aus dem Unternehmen (z.B. Beraterhonorare)
  • staatliche Rente
  • private Versicherungen
  • Pacht oder Mieteinnahmen
  • Kapitalerträge
  • sonstige Einnahmen

 

Dem gegenüber stehen Ihre Ausgaben für:

  • private Lebensführung
  • Kapitaldienste für Darlehen
  • Versicherungsbeiträge
  • Steuern
  • sonstige Ausgaben

 

Planen Sie auch eine Reserve für unvorhergesehene finanzielle Belastungen ein. Vereinbaren Sie ein bestimmtes Beraterhonorar bei der Übertragung an Ihren Nachfolger oder achten Sie bei der Aushandlung eines Kaufpreises darauf, dass eine bestimmte Untergrenze auf keinen Fall unterschritten wird.

 

Eine weitere Alternative ist, sich als Berater mit einem entsprechenden Vertrag an das Unternehmen binden zu lassen. Dieser Vertrag kann zeitlich begrenzt werden oder auch nur an ein bestimmtes Projekt gebunden sein und ist in seiner Ausgestaltung und der Höhe der Beratungshonorare völlig frei gestaltbar.

 

 

2.3 Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger

 

Bis vor wenigen Jahren war die Frage nach dem geeigneten Nachfolger für die meisten Übergeber relativ einfach zu beantworten: "am liebsten jemand aus der Familie". Doch die Zeiten, in denen der Nachwuchs den elterlichen Betrieb ohne wenn und aber übernehmen möchte, sind vorüber. Immer mehr Unternehmerkinder treffen ihre Berufswahl nach ihren Neigungen und nicht nach der Familientradition. Unmittelbare Folge: Die Anzahl der familieninternen Übertragungen sinkt, während die Zahl der Unternehmensverkäufe an Externe zunimmt.

 

Potenzielle Nachfolger, die nicht aus der eigenen Familie kommen, können Mitarbeiter sein, aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis stammen oder unter den Kunden und Lieferanten, vielleicht sogar bei der Konkurrenz zu finden sein.

 

Eine wichtige Anlaufstation, die Unternehmen und Nachfolger zusammen bringt, ist die Nachfolgebörse der Wirtschaftkammer Österreichs in Zusammenarbeit mit der Jungen Wirtschaft. (Link: http://www.nachfolgeboerse.at/)

 

Fragen Sie sich bei der Wahl Ihres Nachfolgers vor allem, ob er/sie den Erfordernissen des aktuellen Marktgeschehnisses und der Unternehmensführung entspricht. Versuchen Sie, nicht ein Ebenbild Ihrer selbst zu finden, sondern jemanden, der die Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft erfolgreich meistern kann.

 

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3. Die Mitarbeiter – Das wichtigste Kapital

 

Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital in jedem Unternehmen. Aus diesem Grund sollten Sie sich auf mögliche Ängste, Hoffnungen und Wünsche einstellen, die bei den Mitarbeitern im Falle einer Unternehmensübertragung entstehen.

 

Sie als Nachfolger sollten sich Zeit nehmen, Ihre Mitarbeiter kennen zu lernen, und Einzel- und Gruppengespräche führen. Somit sorgen Sie für das nötige Vertrauen und motivieren Ihre Angestellten, bei einer eventuellen Veränderung im Unternehmen unterstützend zur Seite zu stehen. Weiters werden dadurch Unsicherheiten sowohl auf Seiten der Mitarbeiter als auch auf Unternehmerseite abgebaut. In den Gesprächen sollten Sie hervorheben, welche Bedeutung die Mitarbeiter für das Unternehmen haben. Glaubwürdiges Auftreten ist dabei besonders wichtig, um den Mitarbeitern nach der in der Regel unsicheren Zeit des Führungswechsels Sicherheit zu geben. Wichtige Kriterien für ein glaubwürdiges Auftreten sind: keine unrealistischen Zusagen machen, sich nicht verstellen, authentisch sein.

 

Eine mögliche Vorgehensweise beim Kennen lernen der Mitarbeiter ist die folgende:

  • Die Ziele vorstellen
  • Vertrauen und Verständnis erlangen
  • Eventuelles Versprechen, Altbewährtes beizubehalten
  • Ein gemeinsames Unternehmensleitbild erstellen
  • Gespräche mit Personalchef und Betriebsrat führen
  • Gespräche mit Führungskräften und Mitarbeitern unterschiedlicher Ebenen führen

 

Die Einführung neuer Führungsstile sollte erklärt und behutsam durchgeführt werden. Viele Mitarbeiter verbinden mit einem Führungswechsel womöglich auch neue Hoffnungen. Das Treffen von Zielvereinbarungen in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen (mindestens einmal im Jahr), die auch gemessen werden können, ist in diesem Zusammenhang auch sehr wichtig.

 

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4. Risiken und Übergabefehler

 

In diesem Kapitel wird unterschieden zwischen Risiken, die ein potentieller Übernehmer/Nachfolger als Unternehmer eventuell zu tragen und zu bewältigen hat und den häufigsten Fehlern, die sowohl Übergeber als auch Übernehmer im Zuge der Unternehmensübertragung begehen können.

 

 

4.1 Die Risiken eines Unternehmers

 

Alle potentiellen Nachfolger und zukünftige (Jung)Unternehmer sollten sich fragen, ob sie auch wirklich dazu bereit sind, diverse Risiken, die das Unternehmertum mit sich bringen kann, einzugehen und Maßnahmen setzen, diese Risiken zu minimieren.

 

Hier ein genereller Überblick über mögliche Unsicherheitsfaktoren:

 

Finanzielles Risiko:

Bei externen Unternehmern, die ein fremdes Unternehmen kaufen, als auch bei Nachfolgern innerhalb der Familie, die meist ein Unternehmen durch Schenkung oder Vererbung erhalten, spielt die Frage nach der Leistbarkeit ein wichtige Rolle sei es eben durch die Bezahlung des vereinbarten Kaufpreises, als auch durch die Belastung mit  Erbschafts- bzw. Schenkungssteuern.

Oftmals spielt bei der Finanzierung die Kreditfinanzierung und die Aufnahme von Hypotheken eine entscheidende Rolle. So haftet der Unternehmer häufig selbst auch je nach Rechtsform mit seinem privaten Vermögen. Daher kann die Wahl einer günstigen rechtlichen Struktur das finanzielle Risiko mindern.

 

Karriererisiken:

Nur die wenigsten Jungunternehmer, die die Nachfolge antreten, können mit großer Sicherheit sagen, dass sich ihr Unternehmen auch nach den von ihnen gewünschten Vorstellungen in Zukunft entwickelt. Vor allem sollten sich Unternehmer, die vorher in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt waren, vor der Kündigung eben dieses, das Risiko eines Scheiterns vor Auge führen.

 

Soziale Risiken:

Unternehmer zu sein beansprucht viel Energie und Zeit. Eine Folge davon ist, dass vor allem die Familie wahrscheinlich zurückstecken muss und zu kurz kommt. Daher sollte die Entscheidung, eine Nachfolge anzutreten auch von der Familie mitgetragen werden.

 

Gesundheitliche Risiken:

Unternehmer zu sein ist sowohl physische, als auch psychische Arbeit. Als Nachfolger einer Unternehmung sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Arbeitstag in der Regel länger ist als der eines Unselbständigen. Man sollte sich daher genau überlegen, ob man den erhöhten Anforderungen auch gesundheitlich gewachsen ist.

 

4.2 Die häufigsten Übergabefehler

 

Sowohl Übergeber, als auch Übernehmer sollten sich vor allem von folgenden, punktuell aufgezeigten Fehlern bei der Übergabe/Übernahme schützen:

  • Der wohl größte Fehler, den man begehen kann, ist die mangelnde zeitliche Planung. Es ist erwiesen, dass Übergaben, die unter Zeitdruck erfolgten, weniger erfolgreich über die Bühne gingen. Experten schätzen die ideale Planungsphase auf etwa 10 Jahren.
  • Weiters sollte bei der Planung der Übergabe genau vorgegangen und möglichst alle Aspekte berücksichtigt werden. Eine mangelnde und unzureichende Planung ist der Hauptgrund für das plötzliche Auftauchen unerwarteter Ereignisse während der Übergabephase.
  • Auch sollte verhindert werden, dass die privaten Interessen vor den betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten stehen.
  • Es wird oft beobachtet, dass vor der Übergabe Umsatz und Investitionen gekürzt werden. Dies hat jedoch weit reichende Folgen für den Betriebserfolg in der Zukunft und bringt natürlich Probleme für den Nachfolger mit sich.
  • Es ist selbstverständlich, dass der Übergeber eine für ihn akzeptable Altervorsorge erhält. Steht die Vorsorge jedoch ausschließlich im Vordergrund der Überlegungen, hat dies durchaus negative Auswirkungen auf den Übergabeerfolg.
  • Speziell bei Familienunternehmen, wo die Übergabe an Familienmitglieder (meist Kinder) erfolgen soll, kann das Problem auftreten, dass der Senior-Unternehmer alle Nachkommen als Nachfolger einsetzen möchte, da er sich für keinen einzelnen entscheiden kann. Das kann zu großen Konfliktsituationen und Machtkämpfen in der Zukunft führen.
  • Die Mitarbeiter des Unternehmens müssen in jedem Fall über die geplante Betriebsübergabe informiert werden. Dies zum einen, um Unsicherheitsfaktoren auszuschalten und ein für den Nachfolger angenehmes Betriebsklima zu schaffen.
  • Häufig werden beim Übergabekonzept und beim Übergabevertrag standardisierte Muster verwendet. Die Gefahr solcher standardisierter Verträge/Richtlinien besteht darin, dass diese oftmals nicht den tatsächlichen Erfordernissen angepasst sind.

 

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