Nachfolgeguide - Unternehmensnachfolge, Betriebsnachfolge, Firmennachfolge
Steuerrecht

Unternehmenspacht

Ein weiteres Model der Unternehmensübergabe ist die Unternehmenspacht. Sie kommt häufig vor, wenn der Übergeber noch nicht sicher ist, ob er den Betrieb später wieder selbst weiterführen will oder wenn er noch nicht überzeugt ist, ob er den richtigen Nachfolger ausgewählt hat. Bei Unternehmenspacht wird ein „lebendes“ Unternehmen mit seinen wesentlichen Betriebsgrundlagen (Betriebsräume, Betriebsausstattung, Arbeitnehmer, Kundenstock usw.) vermietet ohne einen Eigentümerwechsel.

  • Wenn der Unternehmensinhaber noch nicht vor hat seinen Betrieb zu übergeben, liegen bei ihm weiter Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor. Eine Unternehmenspacht kann als Vorbereitung einer Betriebsaufgabe vorgenommen werden, wenn der Übergeber z.B. das vollendete 60. Lebensjahr noch nicht erreicht hat und die oben genannten Begünstigungen für eine Betriebsaufgabe noch nicht genutzt werden können. In dieser Situation wird auch kein Veräußerungsgewinn berechnet und besteuert. Die Unternehmenspacht in dieser Gestaltung hat Vor- und Nachteile. Steuervorteile können durch die spätere Betriebsaufgabe entstehen, wenn die Dreijahresverteilung, der halbe Durchschnittsteuersatz oder die Hauptwohnsitzbefreiung in Anspruch genommen werden können. Die Nachteile liegen in der Sozialversicherungspflicht in den Jahren der Verpachtung, die sehr hoch bei den Einkünften aus Gewerbebetrieb ist. Der Übergeber darf auch keine Taten setzen, die die Pacht in Frage stellen und eine Betriebsaufgabe verursachen. Das ist auch der Grund für die seltene Anwendung dieser Gestaltung, obwohl das nicht für jede Branche zutreffend ist. In der Praxis wird diese Gestaltung im Bereich Gastronomie und Hotelerie oft angewendet, wobei hier jedoch die Abgrenzung der wesentlichen Betriebsgrundlagen oft problematisch ist bzw. es schwierig zu bestimmen ist, im welchen Zeitpunkt eine Aufgabe des Betriebes vorliegt.

 

  • Wenn der Betriebsinhaber von vornherein nach Ablauf der Pachtfrist das Unternehmen schließen und einen Teil des Betriebsvermögens ins Privatvermögen übernehmen oder einzeln verkaufen will, liegt von Anfang an eine Betriebsaufgabe vor. In diesem Fall werden die stillen Reserven aufgedeckt und ein Aufgabegewinn berechnet und besteuert. Die oben beschriebenen Begünstigungen finden hier ebenso ihre Geltung.

 

  • Eine zweite Art der Unternehmenspacht ist die so genannte Kaufpacht. Bei diesem Übergabemodell wird im Pachtvertrag eine Kaufoption vorgesehen, wobei die Pachtzahlungen auf den Kaufpreis angerechnet werden. Im Zeitpunkt, in dem das Eigentum auf den Käufer übertragen wird, entsteht ein Veräußerungsgewinn, der der Einkommensteuer und den zuvor genannten Begünstigungen unterliegt. Die Kaufpacht kommt in der Praxis vor, wenn ein Unternehmen von jüngeren Leuten übernommen wird und sie noch nicht die liquiden Mittel für den Kauf zur Verfügung haben. Dies ist eine Option bei der Untersuchung der Zahlungsmöglichkeiten beim Unternehmenskauf.
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